#aufschrei

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Die Sexismus-Diskussion hat Deutschland fest im Griff. Land auf, Land ab wird über nichts anderes als Sexismus diskutiert. Doch halt. Wird hier wirklich nur über Sexismus diskutiert? Oder sind dort noch ganz andere Bestandteile im Spiel?

Ich finde ja. Und das regt mich in Teilen ein wenig auf.

Denn alle oder zumindest viele Reden über Sexismus, doch bei manchen bin ich mir nicht sicher, ob sie auch Sexismus meinen. Für mich ist Sexismus zunächst einmal eine Geisteshaltung, die davon ausgeht, dass eine Person aufgrund ihres Geschlechts bestimmte Eigenschaften hat oder aber euch gerade nicht. Daraus wird dann eine Überlegenheit des eigenen Geschlechts abgeleitet. Beispiele? Okay. Ihr bekommt Beispiele.

„Frauen können nicht Autofahren.“
„Männer können nicht Kinder erziehen.“

An diesen Beispielen sieht man vielleicht auch schön, dass es im Kern um Rollenverständnisse geht. In der aktuellen Debatte geht aber nicht nur um ein Rollenverstänsnis, sondern auch um daraus abgeleitete Handlungen, die dann Sexismus genannt werden. Und das finde ich bedenklich.

Dabei wird die komplette Bandbreite von „dümmlicher Annäherungsversuch“ über ekelhafte Beleidigungen bis hin zur sexuellen Gewalt aufsummiert. Hier würde ich mir ein wenig mehr Differenzierung wünschen. Und die Dinge wirklich beim Namen nennen. Und wenn Gewalttaten sexistisch motiviert muss das natürlich auch benannt werden. Ich weiß nicht, aber irgendwie finde ich, dass einem sexuellen Übergriff durch das Label „Sexismus“ ein Stück weit die Schwere der Tat genommen wird. Vielleicht übertreibe ich da auch nur.

Trotz alledem ist es richtig, dass diese Debatte angestoßen wurde.

Das vielleicht endlich über das Rollenverständnis von Männern und Frauen im 21. Jahrhundert gesprochen wird. Aber es muss gesprochen werden. Und das bitte ohne Vorurteile, Stereotypen und kollektive Schuldzuweisungen (egal in welche Richtung!). Einfach mal auf Augenhöhe miteinander sprechen und dem gegenüber einfach mal zuhören.

Vielleicht war der #aufschrei ja der Anfang zu etwas gutem. Und deshalb ziehe ich an dieser Stelle meinen Hut vor all denen, die auf Twitter berichteten und rufe allen zu, die sich angegriffen fühlten oder meinten etwas weniger geistreiches Beizusteuern: „Nur Schuhe, die passen, können angezogen werden. Und erst denken, dann reden.“

In diesem Sinne.

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3 Kommentare

  1. Rollenklischees als Definition von Sexismus? Finde ich ein wenig merkwürdig, aber nunja. „Unter Sexismus versteht man die soziale Konstruktion von sexuellen Unterschieden zwischen Menschen und die daraus abgeleiteten Normen und Handlungsweisen.“, sagt Wikipedia als Einleitungssatz. Ist natürlich grob zusammengefasst. Jedenfalls deckt es sich mit meiner Ansicht, dass es bei Sexismus nicht allein um die geistige Haltung sondern gerade die daraus resultierenden Handlungen (auch Aussprüche o.ä.) geht.

    Worin ich dir allerdings absolut zustimmen will: Sexismus hat rein gar nichts mit den diversen Formen sexualisierter Gewalt, Missbrauch o.ä. zu tun. Sexismus ist im Vergleich dazu „weniger schlimm“. Auch wenn es trotzdem nichts Gutes wird – aber Sexismus alleine ist noch keine Straftat, und erst recht noch kein Gewaltdelikt. Sexualisierte Gewalt und Sexismus über einen Kamm zu scheren tut der Diskussion absolut nicht gut, das sollten sich Diskutanten aller Ansichten definitiv nochmal vergegenwärtigen.

  2. Vielleicht muss ich Punkt 1 noch klarer herausarbeiten. Im Kern geht es mir darum, dass allen sexistischen Handlungen ein irgendwie geartetes sexistisches Weltbild zu Grunde liegt. Also ein Rollenverständnis in dem ein Geschlecht dem anderen überlegen ist.

    Deshalb lege ich so einen Fokus auf die geistige Haltung und die dann daraus resultierenden Handlungen.

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